In der Metallwerkstatt

Ferienprogramm Pfingstferien an der ABK

Das Summen der Heizung. Schritte auf dem Flur. Die eigene Stimme beim Lesen dieser Zeilen. Klingt vertraut? Genau hier – in diesem Raum, in diesem Moment – beginnt Musik. Nicht im Konzertsaal, nicht auf der Bühne. Sondern im bewussten Zuhören. Das ist die Grundidee des Seminars unter der Leitung von Eric Henzler mit Leandro Cultraro. Bevor ein Instrument gebaut wird, gilt: Hören ist eine Haltung. Eine Bereitschaft, der Welt mit den eigenem Gehör zu begegnen. Nicht mit Noten. Nicht mit Technik. Sondern mit Aufmerksam-keit. Klangstrument – der Begriff ist bewusst weit gefasst. Es entstehen Objekte, die vielleicht keinem klassischen Instrument ähneln, aber klingen. Die einladen zum Spielen. Die erzählen – über Material, Raum und den Menschen, der sie baut. Ein Schlag. Ein Streichen. Ein Rütteln. Jede Bewegung erzeugt einen eigenen Klang. Aus einfachen Materialien werden individuelle Klangobjekte. Nicht nur handwerklich gefertigt, sondern zum gemeinsamen Erleben von Musik. Gestaltung. Forschung. Und eine Einladung – im Sinne von R. Murray Schafer – zum bewussten Hören und kreativen Umgang mit Klang.

Ein besonderer Aspekt des Projekts: Kinder wurden direkt in die Akademie eingeladen. An einen offenen Ort des Gestaltens und Experimentierens. Durch die Zusammenarbeit mit dem Künstler und Werkstattleiter Thomas Putze erhielten sie Einblicke in spezielle Arbeitsweisen und dem Umgang mit unterschiedlichsten Materialien. Dieses Projekt soll keine einmalige Angelegenheit bleiben, sondern der Auftakt sein für die Entwicklung eines Ferienprogramms für Schülerinnen und Schüler, die regelmäßig an die Akademie kommen sollen, um im Rahmen von kunstpädagogischen Seminaren gemeinsam mit Studierenden ästhetische Erfahrungen außerhalb des Schulkontextes zu machen.

In nur drei Stunden entstand ein ganzer Fundus an Klanginstrumenten. Eine stabile Holzkonstruktion diente als gemeinsame Basis. Der Weg führte vom handwerklichen Arbeiten über die körperliche Aktion bis zum musikalischen Spiel. Aus Bauen wurde Ausprobieren, aus Ausprobieren Improvisation – und schließlich ein gemeinsamer Jam. Gerade Kinder ohne musikalische Vorerfahrung erlebten so: Musik entsteht dort, wo wir bereit sind, zuzuhören.

Ein Field-Recorder hielten die Klänge fest. Akustische Erinnerungen. Dokumente des Prozesses. Sie zeigen: Es geht nicht nur um Instrumente. Sondern um einen Raum, in dem Zuhören, Gestalten und Musizieren ineinandergreifen. Musik beginnt dort, wo wir unsere Umgebung bewusst wahrnehmen.

Mitwirkende

 

  • Eric Henzler
  • Thomas Putze
  • Leandro Cultraro